Theater-Wissenschaft studieren. „Was dann?“ ist hier die Frage.

Dieses Videobeispiel aus dem YouTube-Kanal des theaterwissenschaftlichen Instituts der LMU München zeigt ein Gespräch, das jeder von uns StudentInnen dort schon dutzendemale geführt hat. Wie oft haben wir schon erklären müssen, was Theaterwissenschaft ist? Die scheinbar natürliche Folgefrage lautet: „Und was wird man dann damit?“

Eine klare Antwort gibt es darauf nicht. Die meisten Theaterwissenschafts-StudentInnen, die ich kenne, wissen auch nicht, was sie am Ende werden wollen. Das entwickelt sich meistens erst im Laufe des Studiums, aber das ist gut so und völlig normal. Die Hauptsache bei dieser Studienwahl ist, dass man sich für genau das Themengebiet entscheidet, das einen nicht nur interessiert, sondern begeistert. Es ist ja nicht so, dass wir (ich bin so frei und spreche hier für eine TW-Studenten-Allgemeinheit) nichts „Richtiges“ (Mancheiner versteht darunter Jura, BWL und diverse andere, vor allem technische Fachgebiete, die im Allgemeinen Karriere und gute Finanzen versprechen) hätte studieren können, aber wir haben eben nichts anderes studieren wollen.

Natürlich gibt es solche, die zum Beispiel ursprünglich gerne an eine Schauspielschule gegangen wären oder Dramaturgie studieren wollten; da das aber nicht geklappt hat studieren sie nun Theaterwissenschaft. Kein Problem! Das Schöne an diesem Studium ist eben die Offenheit für viele kulturbezogene Berufsgruppen. Im Prinzip kann man mit diesem Studium werden was man möchte – sofern man sich die Mühe macht MEHR zu leisten, Praktika zu machen und all das zu üben, was man später machen möchte. Ausruhen darf man sich auf seinen Studienleistungen nicht. TW-StudentInnen müssen meiner Meinung nach über die Grenzen des Studiums hinaus denken. Zwar habe ich mein Studium noch nicht abgeschlossen und kann deshalb nicht behaupten, ich hätte entsprechende Erfahrungen gemacht, aber trotzdem bin ich davon überzeugt und empfehle:

Schreibt, wenn ihr AutorInnen, JournalistInnen, KritikerInnen werden wollt! Geht auf die Bühne, wenn ihr SchauspielerInnen werden wollt! Dreht Filme, wenn es das ist, was ihr wollt! Studiert, was ihr liebt und vor allem: Engagiert euch!

Aber wahrscheinlich muss man das den wenigsten TW-StudentInnen sagen, denn wer sich für „brotlose Kunst“ entscheidet, wird vermutlich von Natur aus gerne seiner Experimentierfreude und seinem Spieltrieb nachgehen.

Allen anderen, unentschlossenen, ratlosen und vor allem denjenigen TW-StudentInnen, die der Mut verlassen hat, empfehle ich die folgende Informationsseite der Theaterwissenschaft der LMU München:

Studium – und dann?

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6 Gedanken zu “Theater-Wissenschaft studieren. „Was dann?“ ist hier die Frage.

  1. Doch noch kurz zur Verteidigung derjenigen, die mangels Begeisterung für ein bestimmtes Gebiet eine pragmatische Wahl („was Richtiges“) getroffen haben: Es ist ja nicht so, dass wir nicht mit Neugier und Kreativität bei der Sache sind, das müssen wir sogar, denn nur die Aussicht auf ein bestimmtes Gehalt trägt die wenigsten durch ein ganzes Studium. Ich finde mein Fach fordernd, befriedigend, ab und an trocken bis langweilig und liebe es eigentlich nur dann, wenn ich die erwähnte Frage mal wieder nicht beantworten muss. Aber ich bin froh, mich getraut zu haben und würde nichts anderes mehr machen wollen.

    Etwas mehr Leben-und-leben-lassen würde glaube ich manchmal beiden Seiten gut tun. Weder macht ihr euch eine schöne Zeit auf Staatskosten, noch sind wir seelenlose Karrieremaschinen. Wir haben auch Gefühle, bisweilen sogar zu unserem Fach 😉
    In diesem Sinne wünsche ich einen angenehmen Start in die wie auch immer gestaltete vorlesungsfreie Zeit.

    • So habe ich das auch nie gemeint, von wegen technisch interessierte hätten keine Kreativität oder Begeisterung etc. Eher wollte ich ausdrücken, dass man in ein geisteswissenschaftliches Studium mehr Engagement einbringen muss, als man im Allgemeinen annimmt. Zumindest wenn man darin erfolgreich sein will. Denn durchmogeln kann man sich zwar ganz gut, aber weiter kommt man damit nicht.
      Wahrscheinlich ist es, wenn es um Zukunftsplanung geht, schon einfacher pragmatisch zu denken. Das soll aber in keinster Weise heißen, dass diese Studienfächer insgesamt einfacher und langweilig wären! Meine schulische Laufbahn war ja immer in die naturwissenschaftlich-technische Richtung ausgerichtet, aber ich habe nicht die erforderliche Neugierde und Ehrgeiz für ein solches Studium gehabt. Darum hätte mich eine pragmatische Wahl nicht weiter gebracht. Insgeheim beneide ich jedoch all die TU-Studenten, die ziemlich gute Chancen haben, später einmal einen (und zwar nur einen – nicht mehrere gleichzeitig) halbwegs sicheren Job mit geregelten Arbeitszeiten und einem stabilen Einkommen zu haben. Aussichten auf Sesshaftigkeit haben ja durchaus etwas beruhigendes an sich 😉
      Da man jedoch als Geisteswissenschaftler ohnehin permanent in Unsicherheit schwebt und schnell in Zweifel gerät, da man sich selbst immer wieder fragt „Was zum Teufel mache ich damit eigentlich?“, ist es wirklich belastend, wenn man sich ständig auch noch gegenüber anderen rechtfertigen muss. Und genau darum finde ich es so gut, dass das theaterwissenschaftliche Institut der LMU nun eine Serie von Artikeln veröffentlicht, in denen ehemalige TW-Studenten von ihrer Karriere nach der Uni berichten. Denn es beruhigt einen angehenden Geisteswissenschaftler einigermaßen, von den Erfolgen anderer „Vergeistigter“ zu lesen.
      Dir auch einen guten Start in den Semestersommer! Und bis hoffentlich bald!

  2. medienwissenschaft ähnlich… das begann mit dem dialog mit meinem damaligen freund (krankenpfleger): und was machst du da den ganzen tag? filme kucken?! und endete damit, dass niemand meiner kollegen (werbebranche) nachvollziehen kann, wie man so viele filme gesehen und zu den meisten eine kompliziertere meinung als „hat mir gefallen“ haben kann… und doch möchte ich die erfahrungen und erkenntnisse des studiums nicht missen, ob sie mir im beruf nützen oder nicht…

    • Ja, “Was machst du da den ganzen Tag?” ist auch so eine Frage… Im Fall Theaterwissenschaft und Theaterberuf gehen viele davon aus, dass man tagsüber in der Sonne liegt und schläft, weil man ja nur am Abend arbeiten muss. So bequem ist das Theaterleben allerdings nicht.
      Am witzigsten ist es jedoch, wenn man Freunde, die noch keine oder wenig Theatererfahrung haben ins Theater lockt. Das kann sehr gut laufen und Begeisterungsstürme hervorrufen, aber ich hatte auch schon Begleiter, die vor lauter Verwirrung und Ich-versteh-nicht-was-das-soll während der Aufführung laut heraus geflucht haben. Wenn man dann allerdings anfängt alles zu erklären, kann es passieren, dass die Leute noch weniger verstehen, weshalb man jetzt Theaterwissenschaft studiert 😉

      • mein schlimmstes erlebnis mit besagtem freund war dann später, als ich ihm meine emotionale reaktion für den film Ed Wood erklären wollte. er hatte einen klamauk über schlechte effekte und einen mann in frauenklamotten erwartet, ich war hingerissen von der liebevollen und zwischen lächeln und tränen wandernden darstellung echter filmenthusiasten. nun versuch das mal einem zu erklären, für den filme allein einen unterhaltungsauftrag haben… aber manchmal habe ich meinem leben auch freunden neue perspektiven eröffnet, das istdas scheitern dann immer wieder wert! ^_^

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