Ein kurzer Winterschlaf

Liebe Leser,

ich muss mich entschuldigen. Gut acht Wochen habe ich diesen Blog pausiert, weil ich viel zu sehr mit Seminararbeiten, Weihnachtseinkäufen und Familienfeiern beschäftigt war. Das sind vielleicht keine schlechten Gründe, aber gut finde ich es trotzdem nicht. Es muss sich etwas ändern!

Inspiriert durch einen Artikel von Maneesh Sethi, habe ich beschlossen, mir tatsächlich einmal Vorsätze für das neue Jahr vorzunehmen. Das heißt, es soll nicht bei Vorsätzen bleiben, sondern ich will Pläne schmieden, sie in die Tat umsetzen und mich bei Verstößen nach dem vorgeschlagenen Bet Switch Mechanism bestrafen!

Für den Anfang werde ich eine Testphase einrichten, um zu sehen, ob die Ziele realistisch und die Wetteinsätze hoch genug sind. Die Testphase dauert vier Wochen und gilt von Montag, den 14. Januar bis Montag, den 11. Februar 2013.

Hier meine Pläne und Wett-Einsätze:

1. und wichtigstens: Meine Magisterarbeit. Sie steht an erster Stelle. Um dabei, im Gegensatz zu fast all meinen anderen bisherigen Arbeiten, am Anfang nicht zu viel Zeit zu vertrödeln und am Ende vor lauter Stress wieder nicht schlafen zu können, werde ich ab dem 14. Januar jede Woche mindestens 15 Stunden im Archiv arbeiten. Nicht zuhause. Nicht in der Bibliothek. Im Archiv. Es handelt sich nämlich um eine theaterhistoriographische Arbeit, aber Details kann und will ich noch nicht verraten, da ich das Thema noch nicht eingereicht habe und vermeiden möchte, dass es mir noch geklaut wird. Wie ich die 15 Stunden pro Woche verteile, ist irrelevant. Falls ich es jedoch nicht schaffe, diese 15 Stunden im Archiv aufzubringen, zahle ich 30 € an eine bestimmte Person. Dabei handelt es sich jede Woche um eine andere Person, die ich im Vorfeld festlege und informiere. Denn so erreiche ich mehr Menschen um mich zu kontrollieren. Für Woche eins lege ich fest: Mein Wettpartner und Gewinner von 50 € im Falle einer Niederlage ist meine Kollegin, die gerade ihre ersten Prüfungen zum Staatsexamen ablegt und darum selbst sehr unter Druck steht.

2. Mein Blog. Da ich momentan ohnehin ständig irgendetwas schreibe, kann ich mich am Ende eines Tages meistens nicht mehr aufraffen, einen Blogeintrag zu schreiben. Doch ich möchte meinen Blog nicht aufgeben. Vorsichtig setze ich an: Zwischen zwei Blogeinträgen dürfen nicht mehr als 14 Tage liegen, sonst kaufe ich meinem Freund eine Schachtel Zigaretten (das ist eine doppelte Strafe: ich verliere Geld und unterstütze meinen Freund beim Rauchen – das wird mich ganz schön motivieren!). Wenn ich es schaffe, einen neuen Artikel innerhalb von 7 Tagen zu veröffentlichen, dann gönne ich mir etwas, was ich mir sonst nie gönne. Die Belohnung ist im Vorfeld festzulegen, kann aber immer wieder etwas anderes sein. Meine erste Belohnung: ein ausgedehnter Sauna-Besuch. Da kommt der nächste Blogeintrag bestimmt schnell!

3. Meine To-do-Liste: Ich habe immer, wirklich immer ! eine To-do-Liste in meinem Kalender stehen. Diese beinhaltet alle möglichen Dinge, wie eine Postkarte an die Freundin im Ausland zu schicken, Fenster zu putzen, einen Zahnarzttermin zu vereinbaren oder auch mal jemanden anzurufen, den ich schon lange nicht mehr gesprochen habe. Meine Wette: Ich werde jede Woche mindestens die Hälfte aller Punkte auf der To-do-Liste erledigen. Nicht streichen, sondern erledigen. Der Sinn besteht nicht nur darin mehr zu erledigen, sondern auch darin in Zukunft vorsichtiger abzuwägen, welche Aufgaben mir wirklich wichtig sind. Sollte ich meine Wettvorgabe nicht erfüllen, bekommt der Obdachlose, der immer in der Nähe meines Arbeitsplatzes steht, 30 € von mir.

Nun hoffe ich, dass ich mich weder über- noch unterschätze und meine Pläne in die Tat umsetzen kann. Was haltet ihr denn von dieser Methode? Habt ihr so etwas schon einmal ausprobiert?

Danke für´s Dranbleiben nach dieser langen Pause,

eure Evelyn

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6 Gedanken zu “Ein kurzer Winterschlaf

  1. Hm, also ich finde diese Idee etwas (zu) stark monetär orientiert. Und die Idee mit der Schachtel Zigarette finde ich sogar allzu „schädlich“. In meinem Studium hatte ich zum Glück ein Thema wählen können, das mich sehr interessiert hatte. Aber ich bin mir bewusst, dass das ein Privileg ist. So oder so, ich würde vielleicht dem Obdachlosen das Geld dennoch geben, aber einfach so, weil Du davon überzeugt bist – nicht als „Strafe“ für Dich.

    • Nun, ich kann deine Kritik verstehen, versichere dir aber, dass ich die monetäre Ausrichtung ganz bewusst gewählt habe. Als Alternativen hatte ich eine Art Sozialstunden im Sinn, z. B. anstelle meiner Freundin Geld zu geben, hätte ich auch ihre Fenster putzen können o. ä. Allerdings halte ich das für kontraproduktiv, weil ich dann Zeit in eine Strafe investieren müsste, die ich eigentlich besser in meine Magisterarbeit, meinen Nebenjob, meinen Blog etc. stecken sollte (und möchte) und die im schlimmsten Fall dazu führen würde, dass ich die Wette im darauffolgenden Zeitraum wieder nicht einhalten kann. Darum bin ich von dieser Idee abgekommen. Eine weitere Alternative wäre, Dinge wie Kleidung zu verschenken oder an eine caritative Einrichtung zu spenden. Da ich das allerdings nicht als Strafe, sondern als Wohltat für andere und auch mich (Stichwort Entrümpelung) sehen würde, wäre das zwecklos.
      Im Übrigen bekommt der Obdachlose auch so regelmäßig kleinere Geldbeträge oder auch mal Schokolade von mir. Ihm 30 € zu schenken wäre insofern nur deshalb eine Strafe, weil ich als Student in München nicht eben mal einfach so 30 € weggeben kann. Und genau darum denke ich, ist diese Form der Bestrafung bzw. Bedrohung so effektiv. Ebenso die Sache mit den Zigaretten. Ich möchte meinen Freund ja nicht beim Rauchen unterstützen – im Gegenteil. Doch wenn mir meine Strafe Spaß machen würde, mir nützlich wäre oder eine gute Sache unterstützen würde, könnte ich es auch gleich bleiben lassen.
      Aber falls du Vorschläge für bessere und effektivere Wetteinsätze hast, freue ich mich über die Unterstützung.

      Im Übrigen finde ich mein Magisterthema großartig. Dass ich Probleme habe, mich aufzuraffen, liegt nicht an mangelndem Interesse sondern an meiner Bequemlichkeit und daran, dass ich immer noch tausend andere Dinge zu tun habe. Ich muss es schlichtweg nur schaffen, meinen Hintern auf den Holzstuhl im Archiv zu setzen und schon läuft die Recherche – denn, habe ich es schon gesagt? Mein Thema ist großartig! 😉

      • Ich verstehe Dich natürlich sehr gut betreffend Aufraffen fürs Arbeit schreiben. Ich kenne das natürlich auch. Betreffend Strafe ist mir noch eingefallen: Wieso nicht etwas tun, dass nicht auf Geld ausgerichtet ist. Sozialstunden sind momentan zu zeitintensiv. Das leuchtet mir ein. Du müsstest also möglichst vielleicht kurze Aktionen planen, die dennoch Überwindung kosten. Erfahrung mit verrückten Aktionen hast Du ja jetzt 😉 z.B. verkleidet in die Stadt gehen und laut eine Proklamation an einem Ort ausrufen oder kurz durchflitzen oder …. Vielleicht fällt mir noch Besseres ein.

  2. Puh, das klingt nach viel Geld.. Disqualifizieren sich die Empfängerpersonen eigentlich, wenn sie versuchen, deine guten Vorsätze zu untergraben?

    • Das ist eine gute Idee. Bei einer Anfrage wie „Ach, schon wieder ins Archiv? Wollen wir nicht lieber einen Kaffee trinken?“ sollte ich eine Art Stundenlohn einführen, mit dem ich das doppelte von dem einnehme, was ich beim Verlieren der Wette zahlen muss. Aber das wäre wohl ziemlich kontraproduktiv: Am Ende würde ich versuchen, meine Wettpartner zu manipulieren, damit sie mich bezahlen 😀
      Insgesamt denke ich, dass das System nur funktioniert, wenn man wirklich und ehrlich abrechnet, d. h. keine Entschuldigungen zulässt (außer natürlich bei Krankheit), um der Strafe zu entgehen.
      Auch wäre es hilfreich, wenn der Wettpartner eine Gegenwette eingehen würde. Muss ich direkt mal vorschlagen.

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